Geschichte des Dorfes Zienken

 

Das alte Fischerdorf Zienken lag im Mittelalter in der Rheinniederung unter dem Hochgestade im Gewann " Mittleres Grün", wo sich heute der Rheinwald erstreckt. Es wurde 1251 erstmals unter dem Namen Zuinkon urkundlich erwähnt. Eine Urkunde aus dem Jahre 1360 berichtet von einer Kirche "Zünkon in decanatu Newenburg". Im Jahre 1400 wurde die Kirchengemeinde Zünkom dem äbtlichen Konvent des Klosters Tennenbach eingegliedert. 1493 erscheint der Name Zünckheim und 1560 Zeünken.

Das alte Fischerdorf Zienken erlitt ein ähnliches Schicksal wie die benachbarte Stadt Neuenburg. Es wurde 1633 von den damals noch wilden Fluten des Rheinstroms weggerissen. Die Bewohner, die den Wasserfluten entkommen waren, gaben das Dorf auf, das damals noch sieben waffenfähige Männer gezählt haben soll. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das verwüstete Dorf wieder besiedelt und über dem Hochgestade neu aufgebaut. Die damals hauptsächlich aus der Schweiz und dem Schwarzwald zugezogenen Familien sind die Vorfahren der eingesessenen Zienkener Geschlechter.

Als Teil der Vogtei Hügelheim gehörte Zienken zur Herrschaft Badenweiler. Im Holländischen Krieg und im Spanischen Erbfolgekrieg hatten die Zienkener schwer unter den durchziehenden französischen Truppen zu leiden.

Von altersher dienten die Rheinwälder dem Weidegang des Viehs. Aus dem Strauchholz wurden Wellen gebunden. Außerdem wurde Holz eingeschlagen zur Herstellung von Faschinen für die Uferbefestigung des Rheinstromes.

 

1660 wurde einigen Zienkener Bürgern vom Markgrafen von Baden das Recht zum Waidgang erteilt. Wegen dieses Waidgangs gab es viele Streitigkeiten zwischen den angrenzenden Gemeinden Hügelheim und Neuenburg. 1772 wäre es wegen einen Faschinenhiebes beinahe zur bewaffneten Ausanandersetzung zwischen österreichischen Truppen und Markgräflich-Badischen Untertanen gekommen. Unter dem Schutz der österreichischen Soldaten schlugen 200 Faschinenhauer im Oktober 1772 die umstrittenen Faschinen.

Der dadurch im Zienkener Rheinwald angerichtete Schaden wurde später auf 2360 Gulden beziffert.

1796 brach im Oberland eine heftige Viehseuche aus, die auch den Viehbestand in Zienken stark in Mitleidenschaft zog. Das Jahr 1817 verzeichnet schwere Hochwasserschäden durch den Rhein. Man kann heute kaum begreifen, mit welcher Wildheit der Rhein damals dahinströmte. Um diese großen Zerstörungen künftig zu vermeiden. wurde Oberst Johann Gottfried Tulla von der Regierung mit der Befestigung der Rheinufer durch Holzfaschienengeflechte beauftragt. Neben der einheimischen Bevölkerung, die beim Faschinenlegen einen lohnenden Verdienst fand, wurden damals in Zienken viele Arbeiter aus dem ganzen Land als Faschinenleger zusammengezogen. Trotz dieser Uferbefestigungen blieb Zienken auch künftig nicht vor Hochwasser verschont.

In den Jahren 1844, 1852 und 1865 sind Hochwasser verzeichnet. Am Rheinweg, unterhalb des Hochgestades, steht ein Stein mit dem Zeichen "H.W.1876". Bis hierher reichten die Fluten des Rheines beim Hochwasser 1876.

Nach dieser letzten großen Überschwemmung wurde der Hochwasserdamm verstärkt, und von nun an blieben die Felder im Tiefgestade vor Überflutungen verschont.

Stets hatten die Stabshalter von Zienken gegenüber der Vogtei Hügelheim um die Rechte ihrer Mitbürger zu kämpfen. Am 5. April 1816 wurden die ersten Verhandlungen vor dem Großherzoglichen Amts-Revisionat in Müllheim wegen der Trennung vom Vogteiamt Hügelheim geführt. Dieselbe Forderung wurde auf einer Bürgerversammlung am 15. Februar 1826 erhoben. Am 17. Februar 1826 erging eine Eingabe an das Großherzogliche Oberamt in Müllheim, in der die Trennung und begründet wurde. Mit Wirkung vom 28. August 1827 wurde der bisherige Stabhalter Friedlin Schmidt als erster Vorgesetzter der Gemeinde Zienken unter dem Titel "Vogt" bestätigt.

Seit dem Bestehen der Hügelheimer Schule mußten die Zienkener Kinder die Schule in Hügelheim besuchen. Mit der Begründung, daß Zienken viel zu arm, der Boden zu unfruchtbar und die Kriegslasten viel zu hoch seien, um einen eigenen Lehrer zu unterhalten, wurden alle Bittschriften um eine eigene Schule von der Markgräfler Regierung abgelehnt. Das erste, noch vorhandene Gesuch stammt aus dem Jahre 1771. Darin wurden auch die Namen der Bürger aufgeführt, bei denen der Lehrer der Reihe nach verköstigt werden sollte.

1817 wurde ein Teilerfolg erzielt, zweimal wöchentlich kam der Unterlehrer aus Hügelheim zum Unterricht nach Zienken. Erst 1833 erhielt Zienken eine eigene Schule. 1835 zählte Zienken 170 Einwohner. Die Schule wurde von 26 Kindern besucht.

1828 wurde der Friedhof angelegt. Als erster Zienkener wurde Mathias Bürgelin auf dem neuen Gottesacker begraben. 1843 wurde Johann Jacob Sturm zum Vogt gewählt, der nach der Niederwerfung der Revolution von 1848 seine Heimatgemeinde verlassen mußte und nach Amerika auswanderte. 1902 kaufte die Gemeinde Zienken zwei Quellen im Hügelheimer Rebberg. Das Wasser wurde in einer 3,5 Kilometer langen Rohrleitung nach Zienken geleitet.Vom Wasserturm aus wurden die Häuser mit Trinkwasser versorgt.

Am Krieg 1870/71 nahmen zwei Soldaten aus Zienken teil. Aus dem Ersten Weltkrieg kehrten fünf Zienkener Bürger nicht zurück.

Die Hügelheimer Runz, die durch die Gemarkung führt und oft an den Feldern durch Überschwemmungen großen Schaden anrichtete, wurde 1934 ausgebaut. Im April 1935 konnte das Hochwasser erstmals in den Rheinwald geleitet werden, ohne Schaden anzurichten. Im Zweiten Weltkrieg wurden 45 Zienkener zu den Fahnen gerufen. Acht Soldaten blieb die Heimkehr versagt. 1939,1940,1944 und 1945 wurde das Dorf evakuiert. Mehrere Gebäude wurden durch Beschuß beschädigt.

Letzter Bürgermeister war Fritz Kaltenbach von 1963 bis 1971. Im Zuge der Gemeindereform wurde Zienken 1971 in die Stadt Neuenburg eingegliedert. Bis zur Eingemeindung wurde in Zienken die Flurbereinigung durchgeführt, das Neubaugebiet "Obere Riese" erschlossen, die Wasserversorgung des Dorfes durch ein Pumpwerk gesichert, die Kanalisation verlegt und ein moderner Kindergarten erbaut.

Bis zum heutigen Tag ist Zienken auf 902 Einwohner angewachsen.

Vereine in Zienken:               Chorgemeinschaft Zienken

                                           Sportclub Rot-Weiß Zienken

                                           Schützenverein Neuenburg-Zienken

                                            Narrenclique Heidschnugge  

 

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